Chemische Unkrautbekämpfung

Nur in Ausnahmefällen sehr starker Verunkrautung ist die Anwendung von Herbiziden auf dem Grünland gerechtfertigt.

Die  ordnungsgemäße Unkrautbekämpfung im Grünland  beruht vor allem auf vorbeugenden  Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Wenn der Grünlandbestand jedoch bereits aufgrund schwerer Bewirtschaftungsfehler weitgehend verunkrautet ist, reicht die alleinige Umstellung der Grünlandbewirtschaftung in der Regel nicht mehr aus um die Unkräuter zurück zu drängen, sondern es müssen direkte mechanische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen angewandt werden.  

In einigen extremen Fällen hilft gar nur mehr der Einsatz von Totalherbiziden sowie der Umbruch mit anschließender Neuansaat.

Grundregeln

  • Chemische Bekämpfungsmaßnahmen dürfen nur durchgeführt werden, wenn die Grünlandverunkrautung sich durch vorbeugende, indirekte oder direkte kulturtechnische Maßnahmen nicht mehr zurück drängen lässt.
  • Die Ursachen der Grünlandverunkrautung (meistens Bewirtschaftungsfehler) müssen erkannt und behoben werden, andernfalls erzielt die Herbizidanwendung nur eine kurzfristige Wirkung. Direkte und indirekte Maßnahmen müssen Hand in Hand, gemäß den Prinzipien des integrierten Pflanzenbaus durchgeführt werden. 
  • Eine globale Flächenbehandlung soll wenn möglich vermieden werden, vielmehr soll entweder eine Einzelpflanzenbekämpfung, eine Horstbekämpfung oder sehr lokale Behandlungen vorgenommen werden. Die Einzelpflanzenbekämpfung kann sowohl manuell  als auch maschinell (zB: Rotowiper etc..) durchgeführt werden.
  • Es sollen möglichst selektive kleeschonende Herbizide verwendet werden.
  • Eine Wartezeit von bis zu 4 Wochen nach der Behandlung bis zur nächsten Weide- oder Schnittnutzung verbessert die Wirkung und vermeidet etwaige Vergiftungen beim Vieh. Richtlinien des Pflanzenschutzmittelherstellers sind unbedingt zu beachten!
  • Nach der Herbizidanwendung muss unbedingt eine Über- oder Nachsaat erfolgen um die entstandenen Lücken der Grünlandnarbe zu schließen und somit zu verhindern, dass es wiederum zu einer Sekundärverunkrautung kommt.

Ferner gilt es zu berücksichtigen, dass in einigen schwerwiegenden Fällen von Verunkrautung nur die Anwendung von einem Totalherbizid mit nachfolgendem Umbruch und Neuansaat Abhilfe leisten kann. Dies ist vor allem der Fall, wenn wertvolle Gräser (Englisches Raygras, Wiesenschwingel, Timothee, Wiesenrispe) weniger als 30-40 % des Bestandes ausmachen und/oder wenn Schadpflanzen wie Quecke, Rasenschmiele, Binsen sowie minderwertige Gräser wie Trespen, Wolliges Honiggras, einjährige oder gemeine Rispe Überhand genommen haben.


Wie?

Einzelpflanzenbehandlung

Rückenspritze

Einzelne Pflanzen, oder Unkrautnester können gezielt behandelt werden. Selektive Herbizide sind zu bevorzugen um die erwünschten Pflanzen nicht zu schädigen. Durch die Zumischung von Markierfabre zur Spritzbrühe, sind die bereits behandelten Stellen gut zu erkennen.

Dochtstab

Mittels Dochtstab kann das Herbizid gezielt auf einzelne Pflanzen aufgetragen werden, somit kann ein Totalherbizid appliziert werden. Diese Methode ist vor allem bei der Ampfer-Einzelpflanzenbekämpfung interesant.

Rotowiper

Eine Möglichkeit der Unkrautbekämpfung mittels Einzelpflanzenbehandlung bietet der sogenannte "Rotowiper". Bei diesem Unkrautstreichgerät wird das Herbizid-Wasser-Gemisch über eine entgegengesetzt zur Fahrtrichtung rotierende Walze auf überständige  Einzelpflanzen aufgetragen. >>http://www.rotowiper.de

Bei ordnungsgemässem Einsatz solcher Geräte kann die Herbizidmenge um 50 bis 70% gegenüber einer Flächenbehandlung reduziert werden. Damit wird sowohl die Umwelt, wie auch der Grünlandbestand geschont.

Allerdings ist der Einsatz  im Prinzip nur dann möglich, wenn  die zu bekämpfenden Pflanzen über den Grünlandbestand hinausragen. Den Einsatzspielraum kann man jedoch mit dem Verwenden von selektiv wirkenden Präparaten etwas vergrössern.

Nicht zu vernachlässigen sind allerdings auch  die zusätzlich anfallenden Gerätekosten  was für einen überbetrieblichen Einsatz spricht.

Der Rotowiper gilt als Einzelpflanzenbekämpfungsmaßahme im Rahmen der Extensivierungsprogramme in Luxemburg.

Flächenbehandlung

Wie bereits erwänht ist die ganzflächige Behandlung mit einem selektiven Herbizid als letzte Maßnahme zu ergreifen. Die anschließende Nachsaat zum Lückenschluß ist unerlässlich. Es ist auch zu beachten, dass durch den selektiven Herbizideinsatz eine Ertragsdepression auf dem restlichen Pflanzenbestand zu erwarten ist.

Schlimmstenfalls kann ein Totalherbizid eingestzt werden mit anschließender Neuansaat.


Welches Mittel?

Die Liste zugelassenen Pflanzenschutzmittel in Luxemburg finden Sie bei der Ackerbauverwaltung (ASTA) unter folgendem Link: https://saturn.etat.lu/tapes/tapes_fr_mnu_pdt.htm