Grasmanagement in Irland: Produktivität und Qualität

Als „grüne Insel“ ist Irland bekannt für sein Gras. Auch wenn die Wetterbedingungen optimal für hohe Graserträge sind, wächst auch in Irland „wirtschaftliches“ Gras nicht von alleine!

Ganz im Gegenteil, mit den vorangegangenen Artikeln im Rahmen des Autograssmilkprojektes (siehe grengland.lu), konnten wir verdeutlichen, dass die irischen Betriebe zielorientiert arbeiten, mit viel Disziplin, System und dem entsprechenden Erfolg.

Konsequent durchgeführte Maßnahmen ermöglichen es, hochqualitatives Gras in großen Mengen zu produzieren. An dieser Stelle nun die Schritte zum guten Ergebnis:

Auf einem reinen Grünlandbetrieb findet man nun mal nur Gras. Viele andere Möglichkeiten bestehen für die Betriebe nicht. Denn die Wetterbedingungen die für das Graswachstum optimal sind, sind zu milde und zu feucht für viele andere Nutzpflanzenarten. Maisanbau ist in der Region nicht möglich und als Getreide findet man wenn überhaupt, Gerste.

Als Saatgut wird Englisches Ray-grass/Deutsches Weidelgras eingesetzt. Um die Schmackhaftigkeit der Weide zu verbessern, werden tetraploïde Sorten angebaut. Zum Einsatz kommen späte Sorten um das Ährenschieben so weit als möglich zu verzögern.

Jährlich werden zwischen 10 und 15% der Grünlandfläche erneuert. Kein Grünlandbestand steht demnach länger als 10 Jahre. Eine gute Grünlandpflege kombiniert mit über das Jahr gleichmäßig verteilte Niederschläge und weitgehend verschont von Trockenperioden, erlauben hoch produktive Grasbestände.

Die Bodenbearbeitung für die Neuansaat kommt ohne Pflug aus. Das Pflügen würde die Tragfähigkeit des Bodens zu sehr negativ beeinflussen und die Trittverluste durch Beweidung wären zu hoch. Die pfluglose Bodenbearbeitung stellt kein Problem dar, um die alte Grasnarbe zu beseitigen und eine optimale Vorbereitung des Bodens für die Neuansaat zu gestalten.

So machen es die Iren:

  • Tag 1: Abtöten der Altnarbe durch ein Glyphosathaltiges-Mittel
  • Tag 8: Vorbereitung des Saatbettes durch eine oberflächliche Bodenbearbeitung.
  • Tag 9: Drillen
  • Tag 9/10: Walzen

Der Zeitpunkt der Neuansaat bestimmt maßgeblich  den Erfolg auf dem Betrieb. Die irischen Bauern haben sich für einen, auf den ersten Blick überraschenden, jedoch äußerst nachvollziehbaren Zeitpunkt entschieden. Auf der grünen Insel werden in den Monaten April und -Mai die Neuansaaten durchgeführt, und das aus mehreren Gründen:

Der Hauptgrund sind die optimalen Wetterbedingungen. Zu diesem Zeitpunkt wächst das Gras schnell dank günstigen Temperaturen und Niederschlägen. So kann sich das junge Gras sehr schnell entwickeln und in einem kurzen Zeitraum (+/- 30 Tage) kann die Fläche schon wieder beweidet werden. Dass man in diesem Zeitraum auch eine gewisse Menge an Ertrag verliert stört die Iren eher weniger da diese Jahreszeit die Periode mit dem höchsten Grasüberschuss ist. Verwertet wird ein Teil dieses Überschusses durch Grassilagegewinnung. Da macht eine Reduzierung der verfügbaren Flächen durch Neuansaat richtig Sinn.

Die Pflege der Grasnarben wird vor allem gewährleistet durch ein optimales Weidemanagement. Die Kühe bleiben so kurz wie möglich auf derselben Parzelle um Vertritt zu vermeiden. Mehrere Eingänge pro Weideblock ermöglichen es die Grasnarbe in den hochfrequentierten Zugangsbereichen zu schonen. Ein zu tiefes Beweiden wird vermieden, Pflegemaßnahmen wie Striegeln und Nachsaat werden nicht vorgenommen.

Um ein stetigen und hochqualitativen Grasaufwuchs zu ermöglichen, setzen die Iren auf eine intensive Düngungsstrategie. Es wird 1 kg Mineralstickstoff pro Wachstumstag ausgebracht. Mit einer Vegetationsperiode von ungefähr 300 Tage pro Jahr, werden insgesamt 300 kg Stickstoff/ha ausgebracht. Zusätzlich muss man den organischen Stickstoff der über die Kühe anfällt beachten. Phosphor und Kali werden über diese organische Düngerquelle abgedeckt. Die mineralische Düngung wird nach jeder Beweidung der Kühe ausgebracht, also ungefähr alle 21 Tage pro Parzelle.

Das irische Grünlandmanagement ist in Luxemburg nicht 1:1 umsetzbar. Es zeigt aber, dass auch Weideflächen intensiv genutzt werden können. Regelmäßige Neuansaaten und eine intensive Düngung ermöglichen es Qualität und Quantität mit Grünland zu produzieren.

  • Neuansaat:  Jährlich 10 bis 15 % der Fläche
  • Ansaat:        Oberflächliche Bodenbearbeitung
  • Zeitraum:     April-Mai
  • Saatgut:       Englisches Ray-grass (Deutsches Weidelgras), wenig Klee
  • Pflege:         Durch ein gutes Weidemanagement
  • Düngung:    1kg/Stickstoff pro Wachstumstag