Weideprämie

Die Weideprämie

Eine neue Agrarumweltmaßnahme für das Großherzogtum Luxemburg

Durch die zunehmende Spezialisierung der Milchwirtschaft, insbesondere bedingt durch den verstärkten Melkrobotereinsatz, ist ein klarer Trend zur Ganzjahresstallhaltung zu verzeichnen. Mit diesem Trend rückt leider auch die Weide immer mehr in den Hintergrund! Geplant ist daher die Einführung einer Weideprämie im Rahmen der Erneuerung der Agrarumweltmaßnahmen. Das Ziel dieser Prämie ist die Förderung der Weidehaltung von Milchkühen.

Die Voraussetzung zur Gewährung der Weideprämie

Die Voraussetzungen sind wie folgt:

  1. Eine Beweidung der Flächen mit Milchkühen spätestens ab dem 1. Mai.
  2. Das Vorhandensein von ausreichend Grünlandflächen in der nahen Stallumgebung, erforderlich ist 1 ha Weideland je 7 Milchkühe. Der Abstand zwischen der einzelnen Weideparzelle und dem Melkstand beträgt weniger als 1.000 Meter.
  3. Die deklarierte Weidefläche ist den laktierenden Milchkühen und den Trockenstehern vorbehalten.
  4. Die Teilnahme an einer offiziell anerkannten Milchkontrolle ist erforderlich.
Berechnung des Bedarfs an Weideflächen
 
Unter der Annahme dass 1 ha intensives Grünland täglich eine Grasmenge von 60 kg Trockensubstanz produziert und sich die tägliche Grasaufnahme der Milchkuh auf 7 bis 8 kg Trockensubstanz beläuft, beträgt die erforderliche Mindestfläche 1 ha Weideland je 7 Milchkühe. Für eine Prämienberechtigung wäre daher für eine Herde bestehend aus 49 Milchkühen, eine Mindestfläche von 7 ha Weideland erforderlich (Fläche im Umkreis der Stallungen).

Je nach Datum der Durchführung von mechanischen Arbeiten (Nachmähen, Mulchen), bestehen zwei verschiedene Optionen. Darauf hingewiesen sei, dass diese Arbeiten ausschließlich der Weidepflege und nicht der Herstellung von Futterreserven dienen.

Option 1:

  • keine Mahd vor dem 15. Juli
  • Mulchen der Weidereste ab dem 15. Mai
  • Prämienanspruch: 250 €/ha

Option 2:

  • keine Mahd vor dem 30. August
  • Mulchen der Weidereste ab dem 15. Mai
  • Prämienanspruch: 300 €/ha

Bei Flächen in « Natura 200 » Schutzgebieten mit entsprechendem Verbot von Mulchen bis zu einem festgelegten Stichdatum, kann die auszuzahlende Prämie um 50 € je ha erhöht werden.

Beihilfefähige Flächen sind einmal jährlich vom Betriebsleiter zu melden. Für eine verbesserte Weidenutzung (Flächenrotation Beweidung / Mahd), ist ein Ummelden der Weideflächen möglich –Voraussetzung ist natürlich das Vorhandensein von ausreichenden Weideflächen in einem Umkreis von 1.000 Metern.

Bevor Sie sich dieser Agrarumweltmaßnahme anschließen

Eine wichtige Voraussetzung hierzu ist das Erstellen einer genauen Diagnose Ihres Betriebes durch einen landwirtschaftlichen Berater !

Wichtige, zu behandelnde Fragen :

  • Vorhandensein von Weideflächen in der Stallumgebung, Zugang zu den Weideflächen, (evtl. Barrieren), Parzellierung der Weideflächen, Einteilung Mahd / Beweidung, Rotationsplan für die Weideflächen
  • Allgemeiner Zustand der Weideflächen, Einleitung von Verbesserungsmaßnahmen (Nachsaat, Unkrautbekämpfung, Anpassung der Viehdichte)
  • Technische Installationen: feste / mobile Zaunanlagen, Wasserzufuhr, Schutz gegen Unwetter / Sonne, Weidewege, Kuhverkehr, Melkverfahren, Arbeitsfluss
  • Leistungsniveau der Milchkühe, ernährungsphysiologische Bedürfnisse, Kraftfuttervergabe im Stall
  • usw.

Die Evaluierung der Eignung Ihres Betriebes für diese Agrarumweltmaßnahme beschränkt  sich also nicht auf die Berechnung des Bedarfs an Grünlandflächen rund um Ihren Stall.

Die ausgezahlte Prämienhöhe deckt evtl. Zusatzkosten ab, welche im Rahmen einer Umstellung auf Weidehaltung entstehen (Betriebsberatung, Veränderung der technischen Installationen). Die gewählte Prämienhöhe ist ein Ausgleich für eine etwaige Produktionsminderung sowie eine höhere Arbeitsbelastung welche im Zusammenhang mit einer Weidehaltung entstehen 
kann (Umtrieb der Kühe, Weidepflege).
Im Gegenzug hierzu bietet die Weide eine billige, eiweißreiche Nährstoffquelle, was zu erheblichen Einsparungen im Kraftfuttereinsatz sowie zu niedrigeren Energieaufwendungen führt (geringere Futtervorlage im Stall). Zudem ist die Beweidung vorteilhaft für das Wohlbefinden und die Gesundheit der Milchkühe und trägt dem Verbraucherwunsch nach vermehrter Weidehaltung von Kühen verstärkt Rechnung

 

Schnell gelesen

  • Einführung einer Weideprämie (Agrarumweltmaßnahme) im Rahmen der Erneuerung des Agrargesetzes
  • Ziel :
    • Förderung der Weidehaltung von Kühen
  • Bedingungen :
    • Erforderlich Mindestweidefläche : 1 ha je 7 Milchkühe
    • Maximale Distanz Weide – Stall : 1.000 m
    • Permanenter Zugang zur Weide spätestens ab dem 1. Mai
    • Gute Betriebsplanung erforderlich (Parzelleneinteilung, technische Installationen usw.)

Autor

Jeanne Bormann, zuständig für den Bereich Tierzucht an der Technischen Dienststelle für Landwirtschaft
jeanne.bormann@asta.etat.lu
Tel.: 00352 45 71 72-215

Organisation

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16, route d’Esch
L-1470 Luxemburg