Weidewege: eine Kosten-Nutzenanalyse

Unabhängig vom Melksystem ist eine intensive Nutzung des Weidegrases nur durch adäquate Weidewege möglich. Auf irischen Weidebetrieben sind solche Weidewege selbstverständlich, hierzulande stösst das Thema Weidewege dagegen bei vielen Milchviehhaltern auf Unverständnis und Kopfschütteln.

Diese unterschiedlichen Ansichten gründen wahrscheinlich in der Definition von „Weidefütterung“: in der Regel wird diese in Irland intensiv als Vollweide betrieben, mit > 10 t TS Aufwuchs (genutzt) je Hektar und Jahr und täglichen Grasaufnahmen von etwa 18 kg TS je Kuh und Tag während einer Weideperiode von bis zu 10 Monaten pro Jahr. In Luxemburg dagegen wird die Weide in vielen Betrieben nur als Auslauf (bei hohen Besatzdichten) genutzt, im Vordergrund stehen dabei v.a. Tiergesundheitsaspekte, weniger jedoch hohe Weidegrasaufnahmen. Im Rahmen der künftigen Weideprämie (Agrarumweltmassnahmen) ist deshalb nur ein maximaler Besatz von 7 GVE (Milchvieh)/ha effektiv beweideter Fläche erlaubt – bei einer höheren Besatzdichte kann man nicht mehr von Beweidung sprechen; die Weide erfüllt dann eher die Funktion eines Laufhofes und eigentlich wären die Milchkühe dann auch besser in einem solchen aufgehoben...

Unter luxemburgischen Verhältnissen, bei verkürzter Weideperiode durch härteren Winter, niedrigeren Weideertrag durch ungünstigere Niederschlags-verteilung und damit geringerer durchschnittlicher Grasaufnahme je Tier errechnet sich eine erforderliche Weidefläche von etwa 20 Hektar je Robotereinheit (=60 Milchkühe) bei Vollweide.

Die „Erschliessung“ dieser Weidefläche (20 ha) erfordert einen Weideweg von knapp 1000 m wenn man von einer idealen Verteilung der Weideflächen (je 100 m zu beiden Seiten des Weideweges) ausgeht. Für irische Bauern stellt die Distanz von 1000 m (= idealerweise sind es 500 m zu beiden Seiten des Stalles) kein Problem dar: laut irischer Erfahrung sind Wege bis zu 1.000 m in jede Richtung kein Problem für die Milchkühe.

  • Ein solcher Weideweg erfüllt vielfältige Zwecke:

  • Kontrollierter Kuhverkehr im Rahmen eines A/B-, oder A/B/C-Weidesystems.
  • Vermeidung von Schlamm am Ausgang des Stalls durch einen festen Weg
  • Integration der Wassertränken und dadurch kein Vertritt an evtl. Wasserstellen in der Fläche
  • Vermeidung von Schlamm am Eingang der Weideparzellen (durch die Konzeption vieler Weidetore entlang des Weges hat die Herde fast täglich einen anderen/neuen Zugang zur Weide)
  • Der Weideweg ist ein Kuhweg und dient nicht dem Verkehr schwerer landwirtschaftlicher Maschinen, sondern ist exklusiv den Tieren reserviert.

Ein solcher Weideweg kostet:

  • Fläche: 1000 m Länge x 1.5 m Breite = 1500 m2 Fläche = 15 ar
  • Material und Arbeit: in Irland arbeitet man mit Schotterwegen (Untergrund grob, Deckschicht fein), diese kosten laut irischer Erfahrung etwa 10 € den laufenden Meter (bei 1,5 m Breite).

Bei einer ehrlichen Kosten- Nutzenanalyse sind jedoch auch folgende Einsparmöglichkeiten zu berücksichtigen:

  • Vermeidung unproduktiver Schlammflächen
  • Weidegras ist qualitativ hochwertiges und günstiges Futter (=> Silierkosten und Konservierungsverluste entfallen (>250 €/ha))
  • Reduktion der Gülleausbringungskosten und der notwendigen –lagerkapazität
  • Einfachere und kostengünstigere Stallgebäude als bei ganzjähriger Stallhaltung
  • Reduktion der erforderlichen Arbeitszeit je Milchkuh
  • Positives Image der Milchviehhaltung durch Kühe auf der Weide

All diese Einflussfaktoren zu beziffern würde an dieser Stelle zu weit führen. Alleine jedoch die notwendigen Silierkosten bei Stallhaltung vermögen die Baukosten eines entsprechenden Weideweges binnen 2 Jahren zu kompensieren. Künfig soll der Bau von Weidewegen hierzulande zusätzlich durch Investitionsbeihilfen im Rahmen des Agrargesetzes bezuschusst werden.Auch beim Aspekt der Weidewege wird demnach deutlich, dass eine einfache Kopie des irischen Systems nach Luxemburg nicht möglich ist. Weide ist ein komplexes System das betriebs- und standortspezifisch geplant und umgesetzt werden muss – allen interessierten Betriebsleitern steht das Autograssmilk-Team dabei gerne beratend zur Seite.

keywords: 
  • Die künftige Weideprämie erlaubt einen maximalen Besatz von 7 GVE (Milchvieh)/ha
  • Unter luxemburgischen Verhältnissen errechnet sich eine erforderliche Weidefläche von etwa 20 Hektar je Robotereinheit (=60 Milchkühe) bei Vollweide
  • Ein Weideweg von knapp 1000 m bei einer idealen Verteilung der Weideflächen